1. November 2026 · Open Source

Videokonferenzen ohne Zoom: Jitsi Meet für Betriebe

Videokonferenzen gehören längst zum Arbeitsalltag – mit Kunden, Lieferanten oder dem Steuerbüro. Oft fällt die Wahl aus Gewohnheit auf einen der großen amerikanischen Anbieter. Dabei gibt es eine quelloffene Alternative, die im Browser läuft und keine teuren Lizenzen verlangt: Jitsi Meet. Wir erklären, wie der Dienst funktioniert und wann er sich für kleine Betriebe eignet.

Was ist Jitsi Meet?

Jitsi Meet ist eine Software für Videokonferenzen, deren Quellcode offen einsehbar ist. Sie steht unter der Apache-Lizenz 2.0 und darf kostenlos genutzt, angepasst und selbst betrieben werden. Für die Teilnahme ist keine Installation nötig: Ein Klick auf den Einladungslink genügt, die Konferenz öffnet sich im Browser. Für Smartphones gibt es zusätzlich eine App.

Sie haben zwei Möglichkeiten, Jitsi zu nutzen: über einen öffentlich betriebenen Server oder auf einem eigenen Server. Dieser Unterschied ist für Betriebe wichtiger, als er zunächst klingt.

Funktional deckt Jitsi das ab, was im Alltag gebraucht wird: Video und Ton, Bildschirmfreigabe für Präsentationen, einen Textchat sowie das Stummschalten einzelner Teilnehmer. Wer bislang einen der großen Anbieter genutzt hat, findet sich meist schnell zurecht, weil die Bedienung ähnlich aufgebaut ist.

Was kostet das?

Die Software selbst kostet nichts. Nutzen Sie einen öffentlichen Server, zahlen Sie ebenfalls nichts. Betreiben Sie Jitsi auf einem eigenen Server, fallen nur die üblichen Kosten für diesen Server an – meist ein überschaubarer monatlicher Betrag. Lizenzgebühren pro Nutzer, wie sie bei vielen kommerziellen Diensten anfallen, gibt es nicht.

Gerade bei schwankender Teilnehmerzahl ist das ein Vorteil: Ob zwei Personen oder eine ganze Abteilung teilnehmen, ändert an den Kosten nichts. Sie zahlen nicht pro Konferenz und nicht pro Monat je Mitarbeiter, sondern bestenfalls für einen Server, der ohnehin für andere Aufgaben bereitsteht.

Brauche ich ein Konto?

Hier hat sich in den letzten Jahren etwas geändert. Auf dem bekannten öffentlichen Server meet.jit.si können Sie zwar jederzeit kostenlos teilnehmen, aber eine Konferenz starten darf nur, wer sich einmalig mit einem Google-, GitHub- oder Facebook-Konto anmeldet. Die Teilnehmer selbst brauchen weiterhin kein Konto.

Wer diese Anmeldung vermeiden oder die volle Kontrolle behalten möchte, betreibt Jitsi auf einem eigenen Server. Dort entscheiden Sie selbst, wer Besprechungen eröffnen darf.

Wann lohnt sich ein eigener Server?

Ein eigener Jitsi-Server ist dann sinnvoll, wenn Sie regelmäßig und mit vertraulichen Inhalten konferieren. Die Vorteile:

  • Die Daten bleiben bei Ihnen beziehungsweise bei einem Anbieter Ihrer Wahl, idealerweise in Deutschland oder der EU.
  • Sie bestimmen die Regeln, etwa wer Konferenzen starten darf und wie lange Aufzeichnungen aufbewahrt werden.
  • Keine Nutzerkonten bei Dritten sind nötig.

Der Betrieb lässt sich zum Beispiel mit einer fertigen Zusammenstellung über Docker einrichten. Das erfordert allerdings etwas IT-Wissen und regelmäßige Pflege, ähnlich wie beim Betrieb einer eigenen Cloud mit Nextcloud. Wer diese Unabhängigkeit grundsätzlich anstrebt, findet im Beitrag Digitale Souveränität die größeren Zusammenhänge.

Worauf sollte man achten?

Für den praktischen Einsatz haben sich ein paar Punkte bewährt:

  • Browser prüfen. Jitsi läuft am stabilsten in aktuellen Versionen von Chrome, Firefox oder Edge.
  • Zweck ehrlich einschätzen. Für ein kurzes, unkritisches Gespräch reicht der öffentliche Server. Für wiederkehrende Besprechungen mit sensiblen Daten ist ein eigener oder ein europäischer Server die bessere Wahl.
  • Teilnehmer vorbereiten. Ein kurzer Hinweis, dass keine Installation nötig ist, erspart erfahrungsgemäß die meisten Anfangsprobleme.

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Ob und wie ein Videodienst datenschutzkonform eingesetzt werden darf, hängt vom Einzelfall ab.

Fazit

Jitsi Meet ist eine ausgereifte, offene Alternative für Videokonferenzen. Für spontane Gespräche genügt der öffentliche Server, für den regelmäßigen betrieblichen Einsatz spielt ein eigener Server seine Stärken bei Datenschutz und Kontrolle aus. So machen Sie sich unabhängiger von einzelnen Anbietern und deren Preismodellen.

Wenn Sie einen eigenen Jitsi-Server einrichten oder zunächst prüfen lassen möchten, ob sich der Aufwand für Ihren Betrieb lohnt, begleiten wir Sie als IT-Dienstleister in der Region Reutlingen–Tübingen gern dabei.

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