WLAN langsam? Die häufigsten Ursachen – und was wirklich hilft
„Das Internet ist mal wieder langsam“ – dieser Satz ist in neun von zehn Fällen falsch. Meist ist nicht der Internetanschluss das Problem, sondern der Funkweg zwischen Gerät und Router. Die gute Nachricht: Die häufigsten WLAN-Bremsen lassen sich ohne Elektriker und oft ohne neue Hardware beheben. Hier die Ursachen in der Reihenfolge, in der Sie sie prüfen sollten.
Erst messen, dann schrauben
Bevor Sie etwas ändern, brauchen Sie zwei Messwerte. Messung 1: Geschwindigkeitstest (z. B. breitbandmessung.de der Bundesnetzagentur) direkt neben dem Router. Messung 2: derselbe Test am Ort des Problems. Ist schon Messung 1 deutlich langsamer als Ihr gebuchter Tarif, liegt es am Anschluss oder Router – dann hilft der Anruf beim Anbieter. Ist Messung 1 gut und Messung 2 schlecht, ist es der Funkweg – dann helfen die folgenden Punkte.
Ursache 1: Der Router steht falsch
Der Klassiker. WLAN-Signale mögen keine dicken Wände, keine Stahlbetondecken, kein Metall und kein Wasser (Aquarium, Wasserleitungen, sogar volle Bücherregale dämpfen). Ein Router im Keller neben dem Sicherungskasten, hinter dem Fernseher oder im Metallschrank verschenkt den Großteil seiner Leistung. Ideal: zentral in der Wohnung bzw. im Büro, erhöht (Regal statt Fußboden), frei stehend. Allein dieser Schritt löst erstaunlich viele Fälle.
Ursache 2: Falsches Frequenzband
WLAN funkt auf zwei Bändern. 2,4 GHz reicht weit, ist aber langsam und notorisch überfüllt – Mikrowellen, Bluetooth und die WLANs aller Nachbarn funken hier mit. 5 GHz ist deutlich schneller und störungsärmer, reicht aber weniger weit. Moderne Router steuern das automatisch („Band Steering“); bei älteren lohnt ein Blick in die Einstellungen, ob 5 GHz überhaupt aktiv ist. Faustregel: gleiches Zimmer oder ein Zimmer weiter → 5 GHz sollte das Band der Wahl sein.
Ursache 3: Überfüllter Funkkanal
In Mehrfamilienhäusern und Gewerbegebäuden drängeln sich Dutzende WLANs auf denselben Kanälen. Die meisten Router wählen den Kanal automatisch – aber nicht alle tun das gut. Im Router-Menü (bei der Fritzbox unter „WLAN → Funkkanal“) sehen Sie die Belegung und können notfalls manuell auf einen freieren Kanal wechseln. Auf 2,4 GHz sind nur die Kanäle 1, 6 und 11 überlappungsfrei.
Ursache 4: Ein einzelnes altes Gerät bremst alle
Ein zehn Jahre altes Notebook oder ein billiger WLAN-Drucker mit Uralt-Funkstandard belegt für dieselbe Datenmenge ein Vielfaches an Funkzeit – Zeit, die allen anderen Geräten fehlt. Prüfen Sie in der Router-Oberfläche, welche Geräte mit welchem Standard verbunden sind. Dauerbremser bekommen ein Netzwerkkabel oder werden ersetzt.
Ursache 5: Repeater an der falschen Stelle
Ein Repeater verstärkt nicht, er wiederholt – und zwar nur das, was bei ihm ankommt. Steht er dort, wo das WLAN schon schlecht ist, wiederholt er ein schlechtes Signal und halbiert dabei oft noch den Durchsatz. Richtig steht er auf halbem Weg zwischen Router und Problemzone, dort wo der Empfang noch gut ist. Besser als Funk-Repeater sind Zugangspunkte mit Kabel-Anbindung (LAN oder alternativ Powerline) – oder gleich ein Mesh-System.
Ursache 6: Das Gerät selbst
Manchmal ist ein einzelnes Gerät das Problem: veralteter WLAN-Treiber am Notebook, Stromsparmodus, der die Funkleistung drosselt, oder eine Schutzhülle mit Metallanteil am Tablet. Gegentest: Ist nur dieses eine Gerät langsam, während andere am selben Ort flott sind? Dann Treiber aktualisieren und Energieoptionen prüfen.
Ursache 7: Es ist wirklich der Anschluss
Wenn beide Messungen schlecht sind: Router neu starten (löst erstaunlich viel), prüfen, ob der Tarif zum Bedarf passt, und beim Anbieter eine Störung melden. Die Bundesnetzagentur-Messung ist dabei Ihr Beweismittel – bei dauerhaft deutlicher Unterschreitung des Tarifs haben Sie ein Minderungsrecht.
Wann lohnt neue Hardware?
Ein Router, der älter als sechs, sieben Jahre ist, kennt moderne Standards (Wi-Fi 6/7) nicht und ist oft der Flaschenhals. Für größere Flächen – Praxis, Werkstatt, mehrstöckiges Haus – ist die sauberste Lösung ein Mesh-System oder fest verkabelte Access Points statt einer Repeater-Kette. Was im Netzwerk wofür zuständig ist, erklärt unser Beitrag Router, Switch, Access Point. Und wenn im Büro trotz allem nichts hilft: Eine professionelle WLAN-Ausleuchtung findet die Ursache verlässlich – das machen wir regelmäßig für Betriebe in der Region Reutlingen–Tübingen.