15. August 2026 · Open Source · IT-Grundlagen

"GIMP und Inkscape: professionelle Grafik ohne Lizenzkosten"

Ein neues Logo, ein Flyer für die Messe, ein zugeschnittenes Foto für die Website: Für solche Aufgaben greifen viele Betriebe reflexhaft zu teurer Abo-Software. Dabei gibt es seit Jahren zwei freie, ausgereifte Programme, die den Alltag kleiner Betriebe gut abdecken – ganz ohne monatliche Lizenzgebühr: GIMP und Inkscape. Beide sind quelloffen, kostenlos und laufen unter Windows, macOS und Linux.

Wo liegt der Unterschied zwischen beiden?

Der wichtigste Punkt zuerst, denn er entscheidet, welches Programm Sie brauchen:

  • GIMP ist ein Bildbearbeitungsprogramm. Es arbeitet mit Pixeln – ideal für Fotos, Retusche, Freistellen und das Anpassen vorhandener Bilder.
  • Inkscape ist ein Vektorgrafik-Programm. Es arbeitet mit Linien und Flächen, die sich beliebig vergrößern lassen, ohne unscharf zu werden – ideal für Logos, Icons und Illustrationen.

Als Faustregel: Bestehende Fotos bearbeiten Sie in GIMP. Etwas Neues zeichnen, das später auch auf einer Fahrzeugbeschriftung scharf bleiben soll, entsteht in Inkscape. In der Praxis ergänzen sich beide gut.

Was kann GIMP im Betriebsalltag?

GIMP (aktuell in Version 3.2) deckt die typischen Foto-Aufgaben zuverlässig ab:

  • Fotos zuschneiden, drehen und in Helligkeit oder Farbe korrigieren.
  • Störende Objekte oder Hintergründe entfernen.
  • Produktbilder für den Online-Shop auf einheitliche Größe bringen.
  • Texte und einfache Grafiken auf Bilder legen.

Mit Version 3.0 und 3.2 kamen dabei spürbare Verbesserungen: Ebenen lassen sich nun schonender bearbeiten, ohne das Original zu verlieren, und die Bedienung wurde aufgeräumt. Wer früher an GIMP gescheitert ist, sollte der neuen Fassung eine Chance geben.

Was kann Inkscape?

Inkscape (aktuell in Version 1.4) ist das Werkzeug für alles, was gestochen scharf skalieren muss:

  • Ein Firmenlogo entwerfen, das vom Visitenkärtchen bis zum Bauzaun scharf bleibt.
  • Einfache Icons und Piktogramme für Website oder Beschilderung.
  • Flyer und Aushänge mit Text und Grafik gestalten.
  • Vorlagen als PDF an die Druckerei übergeben.

Für die reine Print-Gestaltung mehrseitiger Dokumente wie Broschüren gibt es mit Scribus zusätzlich ein eigenes freies Programm. Für Logo und einzelne Werbemittel reicht Inkscape meist völlig aus.

Praktisch ist auch, dass Inkscape das offene Format SVG verwendet. Diese Dateien lassen sich später problemlos weiterbearbeiten oder an eine Druckerei weitergeben, ohne dass Sie auf ein bestimmtes Programm festgelegt sind. Ihr Logo bleibt so dauerhaft Ihr Eigentum – unabhängig davon, mit welcher Software Sie in fünf Jahren arbeiten.

Sind die freien Programme wirklich gleichwertig?

Ehrlich betrachtet: Für hochspezialisierte Agenturen mit eingespielten Abläufen bleibt kommerzielle Software oft erste Wahl. Für den typischen Bedarf eines kleinen Betriebs jedoch – Logo, Flyer, Fotobearbeitung, Social-Media-Bilder – leisten GIMP und Inkscape das Nötige vollständig. Die Umstellung braucht etwas Einarbeitung, weil Menüs und Begriffe anders sind. Diese Zeit rechnet sich schnell gegen laufende Abo-Kosten.

Ein weiterer Vorteil: Ihre Dateien bleiben auf Ihrem Rechner, es gibt keinen Zwang zu einem Online-Konto und keine Abhängigkeit von einem Anbieter. Warum sich das für Betriebe lohnt, beleuchten wir im Beitrag Open Source im Unternehmen.

Wie gelingt der Umstieg?

Ein paar praktische Tipps für den Start:

  • Klein anfangen: Nehmen Sie eine konkrete Aufgabe, etwa ein Foto zuschneiden, und lösen Sie sie im neuen Programm.
  • Auf offizielle Quellen setzen: Laden Sie beide Programme nur von den Herstellerseiten gimp.org und inkscape.org herunter, nicht aus zweifelhaften Download-Portalen.
  • Lernmaterial nutzen: Zu beiden Programmen gibt es umfangreiche, kostenlose Anleitungen und Videos in deutscher Sprache.

Fazit

GIMP und Inkscape sind keine Notlösungen, sondern eigenständige, seit Jahren gepflegte Programme. Für Bildbearbeitung und einfache Grafik im Betrieb ersetzen sie teure Abos in den meisten Fällen vollständig. Der wichtigste Schritt ist die Bereitschaft, sich kurz einzuarbeiten.

Wenn Sie in der Region Reutlingen–Tübingen prüfen möchten, welche freien Programme in Ihrem Betrieb sinnvoll sind, beraten wir Sie gern – von der Auswahl bis zur Einführung im Team.

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