21. Juni 2026 · Open Source · IT-Grundlagen

Linux auf dem Firmen-PC: Für wen es passt – und für wen nicht

Seit dem Support-Ende von Windows 10 stellen sich viele Betriebe die Frage neu: Muss auf jedem Arbeitsplatz wirklich Windows laufen – mit Lizenzkosten, Zwangs-Cloud-Konto und Hardware-Anforderungen, die funktionierende Rechner aussortieren? Linux ist die naheliegende Alternative: kostenlos, genügsam, sicher. Aber es passt nicht auf jeden Arbeitsplatz – und wer das vorher ehrlich prüft, erspart sich Frust auf beiden Seiten.

Was Linux heute ist (und was nicht mehr)

Das Bild vom Bastler-System mit schwarzer Kommandozeile ist zwanzig Jahre alt. Moderne Desktop-Distributionen wie Linux Mint oder Ubuntu installieren sich in einer halben Stunde, sehen aufgeräumt aus und bedienen sich so nah an Windows, dass sich Umsteiger nach einem Tag zurechtfinden: Startmenü, Taskleiste, Dateimanager, Software-Center für Installationen per Klick. Updates kommen für das gesamte System und alle Programme aus einer Hand – ohne Neustart-Zwang zur Unzeit. Treiber für gängige Hardware sind eingebaut; gerade ältere Geräte laufen unter Linux oft besser als unter Windows, weil das System deutlich weniger Ressourcen braucht.

Dazu kommt der Sicherheitsaspekt: Die Masse der Schadsoftware zielt auf Windows; Linux-Desktops sind schlicht ein unattraktives Ziel und zudem strenger rechtegetrennt. Unverwundbar ist kein System – aber die Alltags-Angriffsfläche ist erheblich kleiner.

Der entscheidende Prüfstein: Ihre Software

Die Betriebssystem-Frage ist in Wahrheit eine Software-Frage. Gehen Sie Ihre Anwendungen durch:

Läuft nativ oder besser: Browser (und damit alles Web-Basierte: Online-Banking, Cloud-Dienste, viele moderne Fachanwendungen), E-Mail (Thunderbird), Office (LibreOffice), PDF, Bildbearbeitung, Videokonferenzen (Teams/Zoom im Browser), Nextcloud-Anbindung.

Läuft nicht (nativ): Microsoft Office als Desktop-Programm, DATEV-Arbeitsplatz, die meisten deutschen Branchenlösungen (Praxisverwaltung, Kanzleisoftware, Handwerker-Programme), Adobe-Produkte, viele Spezialtreiber für Etikettendrucker, Kartenterminals, Messgeräte.

Die Grauzone (Web-Versionen, Wine, virtuelle Maschinen) existiert, taugt aber selten als Fundament für einen Produktiv-Arbeitsplatz – kalkulieren Sie ehrlich: Was nicht nativ läuft, spricht für Windows auf diesem Platz.

Welche Arbeitsplätze passen?

Aus der Praxis lassen sich drei Gruppen bilden:

Sehr gut geeignet: Arbeitsplätze, die im Kern Browser + E-Mail + Office sind – Empfang, Lager/Logistik, Info-Terminals, Schulungsräume, der Zweit-PC in der Werkstatt, Home-Office-Geräte für Web-Anwendungen. Hier spart Linux Lizenzen, verlängert das Hardware-Leben und senkt den Pflegeaufwand.

Prüfenswert: Arbeitsplätze mit einer einzigen Windows-Abhängigkeit. Manchmal lässt die sich ablösen (Web-Version vorhanden?) oder zentralisieren (die eine Windows-Anwendung läuft auf einem Terminal-Server, der Rest lokal unter Linux).

Windows belassen: Buchhaltung mit DATEV, Chefbüro mit Excel-Spezialfällen, jeder Platz mit Branchensoftware ohne Linux- oder Web-Variante. Diese Plätze umzustellen erzeugt Dauerkosten statt Ersparnis.

Das Ergebnis ist fast immer ein Mischbetrieb – und das ist völlig in Ordnung. Fünf von zehn Plätzen auf Linux spart die Hälfte der Lizenzen, ohne irgendwo Funktionalität zu opfern.

Was ist mit Schulungsaufwand und Akzeptanz?

Die Sorge vor dem Widerstand der Belegschaft ist meist größer als der Widerstand selbst – wenn die Auswahl stimmt. Wer den Lager-PC umstellt, an dem ohnehin nur der Browser mit der Warenwirtschaft läuft, erntet Achselzucken. Wer der Buchhaltung ihr Excel nimmt, erntet zu Recht Protest. Deshalb: mit den unkritischen Plätzen anfangen, Erfolge sichtbar machen, niemanden zwangsbeglücken. Eine einstündige Einweisung plus ein Merkblatt („Wo finde ich was?“) deckt erfahrungsgemäß 95 % der Fragen ab.

So gelingt die Einführung

  1. Inventur: Software-Liste je Arbeitsplatz, Abhängigkeiten markieren.
  2. Pilot statt Big Bang: Ein, zwei geeignete Plätze umstellen (bewährt: Linux Mint), vier Wochen Alltag, Rückmeldungen einsammeln.
  3. Peripherie testen: Drucker, Scanner, Etikettendrucker, Kartenleser – vor dem Rollout, nicht danach.
  4. Kurze Einweisung (eine Stunde reicht meist) und eine benannte Anlaufstelle für Fragen.
  5. Betreuung klären: Auch Linux-Rechner brauchen Updates und Pflege – der Aufwand ist geringer, aber nicht null.

Fazit

Linux ist auf dem Firmen-Desktop kein Experiment mehr, sondern für browser- und office-zentrierte Arbeitsplätze die wirtschaftlichste Option – zumal es ausgemusterte Windows-10-Hardware sinnvoll weiterleben lässt. Die Grenze zieht Ihre Branchensoftware. Wenn Sie wissen möchten, welche Ihrer Arbeitsplätze sich eignen: Wir machen die Bestandsaufnahme und betreuen gemischte Windows-Linux-Umgebungen in der Region Reutlingen–Tübingen.

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